Feuerwehrbedarfsplan
In einem Satz
Der Feuerwehrbedarfsplan rechnet aus, wie viel Feuerwehr eine Gemeinde braucht – welche Fahrzeuge, Gerätehäuser und Einsatzkräfte –, damit sie überall innerhalb von zehn Minuten nach dem Notruf eintrifft.

Ausführlich
Worum es geht: Jede Gemeinde muss eine leistungsfähige Feuerwehr unterhalten. Wie viel Feuerwehr das ist, steht nirgends pauschal – es hängt davon ab, wie viele Menschen wo leben, welche Betriebe und Gefahrenstellen es gibt und wie weit die Wege sind. Genau das rechnet der Feuerwehrbedarfsplan aus. Er beschreibt den Ist-Zustand der Gemeindefeuerwehr, legt fest, was sie leisten soll, und zeigt die Lücke dazwischen. Er ist die fachliche Grundlage für alle Entscheidungen über Fahrzeuge, Gerätehäuser und Personal.
Der Maßstab: die Hilfsfrist. Alles im Plan hängt an einer Zahl: Überall in der Gemeinde soll die Feuerwehr innerhalb von zehn Minuten nach dem Notruf am Einsatzort sein. Davon entfallen bis zu fünf Minuten auf das Ausrücken – die Einsatzkräfte kommen von zu Hause oder von der Arbeit zum Gerätehaus – und bis zu drei Minuten auf die Anfahrt. Daraus ergibt sich, wie viele Gerätehäuser es braucht und wo sie stehen müssen.

Wie gerechnet wird: Die Gemeinde wird in Ausrückbereiche eingeteilt, einen je Ortswehr. Jeder Bereich bekommt eine Risikoklasse, die sich aus der Einwohnerzahl und besonderen Risiken ergibt – Schulen, Pflegeeinrichtungen, Betriebe, Gefahrstoffe, Löschwasserversorgung. Aus der Risikoklasse folgt, welche Fahrzeuge und Ausrüstung in diesem Bereich vorgehalten werden müssen. Damit sich das vergleichen lässt, wird jedes Fahrzeug in Punkte umgerechnet: Ein großes Löschfahrzeug mit Rettungsgerät zählt viel, ein kleines Tragkraftspritzenfahrzeug wenig. Die Summe der vorhandenen Punkte wird dem Bedarf gegenübergestellt – das ist die Sicherheitsbilanz. Dazu kommen die Einsatzkräfte: Reichen sie tagsüber und nachts, wie ist die Altersstruktur?
Unser Beispiel: Mittelangeln hat fünf Ortswehren mit eigenen Ausrückbereichen: Satrup, Esmark-Rehberg, Obdrup, Rüde und Havetoftloit. Der Bedarfsplan 2026 zählt 4.877 Einwohner in diesen Bereichen, fast die Hälfte davon in Satrup. Die Einsatzstärke ist in Ordnung, bei den Fahrzeugen klafft eine Lücke: Gebraucht werden 577 Fahrzeugpunkte, vorhanden sind 490. Das Defizit liegt fast vollständig in Satrup – dem größten Bereich mit der höchsten Risikoklasse: 60 Punkte vorhanden, 192 gebraucht. Esmark-Rehberg liegt knapp darunter, Obdrup, Rüde und Havetoftloit haben mehr, als sie rechnerisch brauchen.


Was der Plan empfiehlt: Erstens ein neues Hilfeleistungslöschfahrzeug (HLF 20) für Satrup als Ersatz für ein über 25 Jahre altes Tanklöschfahrzeug. Zweitens die Zusammenlegung der Wehren Satrup und Esmark-Rehberg zu einer zentralen Wehr mit gemeinsamem Gerätehaus – im Alarmplan werden beide heute schon gemeinsam alarmiert. Drittens gezielte Mitgliederwerbung, um die Altersstruktur zu verbessern. Rechnet man die Punkte von Satrup und Esmark-Rehberg zusammen und zählt das neue Fahrzeug dazu, ist die Bilanz nach dem Plan nahezu ausgeglichen.

Wo wir stehen: Die Gemeindevertretung hat den Bedarfsplan am 21. April 2026 beschlossen, nachdem ein erster Anlauf im Februar wegen Unstimmigkeiten in den Unterlagen zurückgestellt worden war. Den Kauf des HLF 20 hatte sie bereits im Dezember 2025 beschlossen – die Beschaffung ist allerdings gescheitert, weil eine andere Behörde das vorgesehene Vorführfahrzeug zuerst gekauft hat; hier muss die Gemeinde neu ansetzen. Das gemeinsame Gerätehaus für Satrup und Esmark-Rehberg hat sie im Oktober 2026 als Modulbau beschlossen. Der Plan wird alle zwei Jahre fortgeschrieben – spätestens, wenn die Wehrführung wechselt oder sich die Gemeinde wesentlich verändert, etwa durch neue Wohngebiete, Betriebe oder Energieparks.